Ist Fruchtsäure schädlich?

Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, das körpereigene Immunsystem zu stärken. Dafür wird unter anderem auch das Essen von viel Obst und das Trinken von vitaminhaltigen Fruchtsäften empfohlen. Nach wie vor hält sich die Empfehlung, dass man nach dem Verzehr von säurehaltigen Lebensmitteln und Säften besser 30 bis 60 Minuten mit dem Zähneputzen warten soll, um die Zähne zu schonen.

Soll man mit dem Zähneputzen nach dem Essen von Obst warten?

Lange ging man davon aus, dass die Fruchtsäure dem Zahnschmelz zusetzt und dadurch innerhalb kürzester Zeit mit Schäden am Zahn zu rechnen ist. Dem Zähneputzen sollte vorher erst noch eine Spülung mit Wasser vorangehen, um die Säure im Mundraum zu verdünnen. Nach ungefähr 30 Minuten wäre der Zahnschmelz durch die im Speichel vorhandenen Enzyme und Mineralstoffe wieder ausreichend remineralisiert. Die Erklärung klingt absolut schlüssig. Eine belegbare Studie dafür gibt es jedoch bis heute nicht.

Diverse Studienreihen kommen zu vagen Ergebnissen

Zwar gibt es Untersuchungsreihen, in denen man bei Probanden gezielt den Zahnschmelz entfernt hatte, sodass das Dentin (Zahnbein) frei lag. Nach dem Kontakt mit säurehaltiger Zitronenlimonade war tatsächlich nach dem Putzen ein gewisser Dentinverlust bemerkbar, der sich verringerte, je länger man mit dem Zähneputzen wartete. Anzumerken ist jedoch, dass es sich hierbei um bereits extrahierte Zähne handelte, die als Prothesen getragen wurden. Die Studie wurde außerdem bereits im Jahr 2001 durchgeführt.

Eine andere Studie ging ähnlich vor, behandelte die Zähne mit einer verdünnten Säure, verwendete jedoch Rinderzähne, um den durch das Bürsten verursachten Abrieb zu messen. Bei dieser Studie wurde erst nach einer Wartezeit von 4 Stunden kein Verlust des Zahnschmelzes festgestellt. Auch diese Studie liegt schon Jahre (2006) zurück und stellt nicht den aktuellen Wissensstand dar. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass es sich um Tierzähne handelte. Ein konkreter Bezug zu den Gegebenheiten der menschlichen Zähne wurde daher nur theoretisch angenommen.

Heutiger Wissensstand: Zähneputzen nach dem Essen stellt kein Problem dar
Zwar greift die Säure die sogenannte Zahnhartsubstanz, also den Zahnschmelz, geringfügig an und lässt sich tatsächlich durch das Zähneputzen leichter entfernen. Es dauert jedoch mehrere Stunden bis Tage, bis der ursprüngliche Zustand wieder erreicht ist. Nach Meinung eines der führenden Kariesforscher in der DACH-Region tragen durch die im natürlichen Speichel vorkommenden Minerale durchaus zur Remineralisierung bei. Jedoch befinden sich nach dem Essen von säurehältigen Speisen auch vermehrt Proteine wie Albumine und Cystatine im Speichel, die wiederum die Wirksamkeit der Mineralien unterbinden.

Studien erfolgen unter Laborbedingungen

Bei der Durchführung der Studien wird stets künstlicher Speichel verwendet. Dort sind keine Proteine vorhanden, was immer zu einer ausgezeichneten Remineralisierung führt. Auch die Säure wird mit entsprechendem pH-Wert künstlich erzeugt. Leider stellen diese Ergebnisse aber kein realistisches Abbild dar und sind daher entsprechend einzuordnen.

Kein Zähneputzen ist schädlicher als die Säure

Wartet man zu lange mit dem Zähneputzen nach dem Essen, ist der Schaden weitaus größer. Den in vielen Speisen und Getränken, die Säure enthalten, sind oftmals auch große Mengen an Zucker vorhanden. Die Kariesbakterien vertilgen zwar den Zucker, lassen aber dabei noch mehr Säure entstehen.
Leidet man, aus welchen Gründen auch immer, an häufigem Erbrechen, sollte man sich unbedingt sofort den Mund spülen. Auf abrasives Putzen, also mit einer Bürste, sollte man in diesem Fall verzichten.

Wie kann man sich vor der Säure schützen?

Beim Verzehr von gewissen Lebensmitteln werden immer Säuren entstehen. Das lässt sich nicht verhindern. Aber man kann die Zähne vom Zahnarzt mit einem Lack versiegeln lassen. Gerade bei weit fortgeschrittenen Abnutzungen kann dies zu guten Erfolgen führen. Fluorid ist dabei nicht unbedingt notwendig, meist ist die Lackbasis ausschlaggebend für das gute Ergebnis.

Gut zu wissen

Je höher der pH-Wert der Speisen oder der Getränke sind, desto weniger wird der Zahnschmelz angegriffen. Der menschliche Speichel hat einen pH-Wert zwischen 6 und 7. Zum Vergleich: Tee und Kaffee haben einen Wert von 5, Orangensaft und Cola liegen zwischen 3 und 4 und Apfelsaft hat einen pH-Wert von 2.

Fazit

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Säure tatsächlich schädlich für den Zahnschmelz ist, jedoch die Vorteile des Zähneputzens nach dem Essen immer überwiegen. Es besteht nach heutigem medizinischem Kenntnisstand kein Grund, nach dem Essen noch einige Zeit mit dem Putzen zu warten.